AANDO FINE ART ist erfreut, mit „sediMENTALS“ neue Werke der Künstlerin Adriane Wachholz zu präsentieren. Sie bewegt sich in ihrem künstlerischen Schaffen mittels installativer Kombination verschiedener zeitgenössischer und traditioneller Medien in einem zeitübergreifenden, medialen Dialog. Aus Symbiosen von Zeichnung und Videoprojektion erarbeitet die Künstlerin in „sediMENTALS“ die Zeitachsen der klassischen Handzeichnung. Das Medium ist wichtiger Betsandteil jedes Werkes. Die Zeichnungen funktionieren einerseits selbständig, gleichzeitig sind sie installativ lesbar. Es wird eine ästhetische Erweiterung der herkömmlichen Rezeptionsweise initiiert, die jegliche “konditionierte” Wahrnehmung und Vorstellungskraft von Zeit auf den Prüfstand stellt. Mit dem Medium der Zeichnung in Kombination mit der Gebrauchsweise von Reflexion durch analoge Projektion erschafft die Künstlerin ein Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Medialität sowie Fläche und Raum.

In der Installation „Ablage (Trabant)“ wirft ein Spiegel die unter ihm positionierte Graphitzeichnung und darauf arrangierte Samen zurück und macht sie so für das Publikum im Ausstellungsraum indirekt, als analoge Projektion, sichtbar. Die Samen erhalten durch dieses Arrangement eine neue Lesbarkeit/Identität und scheinen selbst zu Sternen im Bild zu werden. Ihre Materialität wird aufgehoben und die Körperlichkeit ins Zweidimensionale übersetzt. Durch den Verweis auf einen anderen, neuen Ursprung anhand der stattfindenden Reflexion wird eine Verlagerung bekannter Vorstellungen angeregt und ungewohnte Perspektiven des Sehens generiert. Es scheint sich eine neue Ebene zu öffnen. Die Projektion überlässt der Reflexion scheinbar die Bühne, gibt ihr Raum und ergänzt sie – der Spiegel fungiert hier als Zwischenstation. Adriane Wachholz hinterfragt sowohl soziale als auch psychische Aspekte der Wahrnehmung von Distanzen (Entfernungen, Weiten). Sie stellt eine alternative Vision von diversen Ebenen der Wahrnehmung vor.

Die Darstellungen kosmologischer Landschaften der Serie „horizontals“ verlieren durch die Art ihrer Präsentation die dem Auge vertraute Statik und ermutigen den Betrachter zur Überwindung von Endlichkeiten und traditionellen Rezeptions- und Sehgewohnheiten. Die Zeichnungen dreidimensionaler Abbilder schweben scheinbar im Raum und haben mit ihrem ursprünglich ruhenden Format nicht mehr viel gemeinsam. Wachholz hält auf jedem Papier drei zeitlich und räumlich getrennte Galaxien in einer Zeichnung fest und lässt deren unterschiedlichen Zeitzonen somit an einem Ort aufeinander treffen. Gemeinsam stellen diese morphologisch universellen Stern-Trilogien folglich völlig neue Zeitbezüge her und rezitieren das Werden und Vergehen im Universum als (nicht) endenden Prozess. Innerhalb der Installation sind alle Zeichnungen dieser unwirklichen Galaxien durch eine gemeinsame Horizontlinie asymmetrisch verbunden und somit räumlich begrenzt. Sie umkreisen auf diese Weise wie in einer Umlaufbahn eine mittig positionierte skulpturale Zeichnung. Diese Zeichnung befindet sich in einem Gemisch aus Kieselsäure, Phosphor und anorganischen Metallen und wird, nach Ablauf von über Jahrhunderte andauernden geologischen Vorgängen, zu einer Art künstlerischen aus heutiger Sicht, zeitgenössischen Fossil.

Adriane Wachholz untersucht in ihren neuen Werken die besonderen richtungsunabhängigen, ephemeren Eigenschaften des Gefüges/der Oberfläche, von Strukturen und Materialität. Sie vollzieht den Sprung weg von der alleinigen Rezeption des Bildes und fragt nach der Materialität als Projektionsform und deren Veränderung. „sediMENTALS“ hinterfragt die vom Menschen begrenzten Sehweisen und Vorstellungskräfte über den zeitlichen Prozess des Seins und Werdens hinaus.

Über die Künstlerin (*1979, DE): Adriane Wachholz studierte an der École Supérieure des Beaux Arts in Genf und war Meisterschülerin von Guillaume Bijl an der Kunstakademie in Münster. Sie wurde u.a. 2008 mit dem Nam June Paik Award ausgezeichnet. Ihre Werke wurden u.a. in der Kunsthalle Bielefeld, der Rizzordi Art Foundation, in St. Petersburg, im Kunsthaus Essen und zuletzt im Künstlerhaus Dortmund gezeigt und sie nahm an Gruppenausstellungen in Los Angeles, London und Hong Kong teil. Aktuell arbeitet die Künstlerin zudem an einem Kunst am Bau-Projekt in Mödling, Österreich.


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ADRIANE WACHHOLZ
sediMENTALS
11. März bis 15. April 2016